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DNA-Test zwischen Geschwistern: Welcher Test passt bei Brüdern, Schwestern oder Bruder und Schwester?

vor 3 Tagen
6 Min. Lesezeit

Sind wir wirklich Geschwister? Teilen wir nur den Vater, nur die Mutter oder beide Eltern? Wenn ein Elternteil nicht mehr befragt werden kann oder in der Familie Zweifel im Raum stehen, hilft ein DNA-Test zwischen Geschwistern weiter. Er zeigt, ob ein biologisches Verwandtschaftsverhältnis wahrscheinlich ist, väterlicherseits, mütterlicherseits oder auf beiden Seiten.


DNA-Test zwischen Geschwistern

Das Prinzip ist schnell erklärt: Ein Labor vergleicht das genetische Profil von zwei oder mehr Mitgliedern einer Fratrie. Zwei Punkte sollten Sie vor der Bestellung allerdings kennen. Erstens gibt es mehrere Analysen, und welche passt, hängt von Ihrer Frage ab. Zweitens ist ein genetischer Test kein Wundermittel: Je nachdem, welche Gene weitergegeben wurden, kann das Ergebnis die Frage nicht in jedem Fall vollständig beantworten.


Was ein DNA-Test zwischen Geschwistern leisten kann


Jedes Kind erhält die Hälfte seiner DNA von der Mutter und die andere Hälfte vom Vater. Welche Abschnitte genau weitergegeben werden, entscheidet der Zufall. Geschwister erben deshalb nicht dieselben DNA-Stücke, sondern jeweils eine eigene Mischung.


Im Durchschnitt teilen Vollgeschwister etwa 50 % ihres Erbguts, Halbgeschwister etwa 25 %. Im Einzelfall kann der tatsächliche Anteil davon abweichen. Genau deshalb arbeiten Geschwistertests mit Statistik und Wahrscheinlichkeiten und nicht mit der klaren Ja-Nein-Logik eines Vaterschaftstests.


Schwieriger wird es, wenn der Zweifel Personen aus derselben Familie betrifft, etwa zwei verwandte Männer als mögliche Väter. Dann ähneln sich deren Profile stark, und manche Analysen stoßen an ihre Grenzen. Warum das so ist, erklärt unser Ratgeber zum Vaterschaftstest bei verwandten Vätern.


Welcher Test passt zu Ihrer Frage?


Die Wahl hängt vor allem von zwei Dingen ab: davon, wer teilnehmen kann, und davon, welche Verbindung Sie überprüfen möchten (väterlich, mütterlich oder beides).


Konstellation

Gemeinsamer Vater

Gemeinsame Mutter

Beide Eltern

Brüder

Y-Chromosom-Test

mitochondrialer DNA-Test

Geschwistertest

Schwestern

X-Chromosom-Test

mitochondrialer DNA-Test

Geschwistertest

Bruder und Schwester

Geschwistertest

mitochondrialer DNA-Test

Geschwistertest

Die einzelnen Varianten erklären wir im Folgenden.


DNA-Test bei Brüdern


Für zwei Brüder kommen drei Analysen infrage. Alle brauchen nur einen Wangenabstrich der beiden Männer.


Y-Chromosom-Test: gemeinsamer Vater


Möchten Sie ausschließlich wissen, ob Sie und Ihr Bruder denselben leiblichen Vater haben, ist der Y-Chromosom-Test die passende Wahl. Er prüft, ob zwei Männer dasselbe Y-Chromosom tragen.


Das Y-Chromosom wird vom Vater an den Sohn nahezu unverändert weitergegeben, Generation für Generation. Deshalb lässt sich damit recht genau bestätigen oder ausschließen, dass zwei Männer derselben väterlichen Linie angehören. Der Test funktioniert auch bei Halbbrüdern mit demselben Vater.


Wichtige Grenze: Der Y-Chromosom-Test hilft nicht weiter, wenn der Zweifel zwei Männer derselben Familie betrifft. Er zeigt nur, dass jemand zur väterlichen Linie gehört, nicht aber, ob es sich um den Vater, den Onkel oder den Bruder handelt.


Mitochondrialer DNA-Test: gemeinsame Mutter


Geht es nur um die Mutter, also darum, ob Sie und Ihr Bruder dieselbe leibliche Mutter haben, empfiehlt sich der mitochondriale DNA-Test. Er vergleicht die mitochondriale DNA, die Erbinformation der „Kraftwerke“ unserer Zellen, und prüft damit, ob zwei Personen derselben mütterlichen Linie angehören.


Mitochondriale DNA wird ausschließlich über die Mutter vererbt, an Töchter wie an Söhne, und bleibt über Generationen hinweg nahezu unverändert. Daher eignet sie sich gut, um eine Mutterschaft zwischen Geschwistern zu überprüfen.


Wichtige Grenze: Der Test unterscheidet nicht zwischen Frauen derselben mütterlichen Familie. Betrifft der Zweifel zwei Frauen aus derselben Familie, etwa Mutter und Tochter oder zwei Schwestern, liefert er keine klare Antwort.


Mitochondrialer DNA-Test: gemeinsame Mutter

Geschwistertest: gemeinsamer Vater und gemeinsame Mutter


Wollen Sie wissen, ob Sie und Ihr Bruder beide Eltern gemeinsam haben, ist der Geschwistertest der richtige Weg. Er ist die aufwendigste der drei Analysen. Das Labor bewertet anhand von Statistik und Erfahrungswerten zur Vererbung, wie wahrscheinlich eine Geschwisterbeziehung ist. Wie verlässlich das Ergebnis ausfällt, hängt vom Erbgut der Teilnehmenden und von deren Zahl ab. Am Ende steht ein Prozentwert für die Verwandtschaft.


DNA-Test bei Schwestern


Auch bei Schwestern gibt es drei Möglichkeiten.


X-Chromosom-Test: gemeinsamer Vater


Interessiert Sie nur die väterliche Seite, also ob Sie und Ihre Schwester denselben leiblichen Vater haben, passt der X-Chromosom-Test. Er vergleicht die X-Chromosomen der beiden Frauen und prüft, ob sie aus derselben väterlichen Linie stammen.


Der Hintergrund: Ein Vater besitzt nur ein einziges X-Chromosom und gibt es unverändert an jede seiner Töchter weiter. Zwei Töchter desselben Vaters tragen daher dasselbe väterliche X-Chromosom. Wie Forschende diese Eigenschaft in der Rechtsmedizin nutzen, beschreibt der Magdeburger Rechtsmediziner Reinhard Szibor in einer Übersichtsarbeit zu X-chromosomalen Markern: Inzwischen sind mehr als 30 solcher Marker als forensische Marker etabliert, und eng gekoppelte Marker lassen sich als stabile Haplotypen gemeinsam auswerten.


Wichtige Grenze: Der Test stößt an seine Grenzen, wenn der Zweifel zwei Männer betrifft, die dieselbe leibliche Mutter haben. Ihr X-Chromosom stammt dann von derselben Frau, sodass sich ihre Profile zu stark ähneln können.


Mitochondrialer DNA-Test: gemeinsame Mutter


Soll nur geklärt werden, ob Sie und Ihre Schwester dieselbe leibliche Mutter haben, empfiehlt sich wie bei Brüdern der mitochondriale DNA-Test. Auch hier gilt die oben genannte Grenze: Zwischen zwei Frauen derselben mütterlichen Familie kann er nicht unterscheiden.


Geschwistertest: gemeinsamer Vater und gemeinsame Mutter


Möchten Sie wissen, ob Sie und Ihre Schwester beide Eltern teilen, bleibt der Geschwistertest die beste Wahl. Auch er beruht auf Wahrscheinlichkeiten, und seine Aussagekraft hängt vom Erbgut der Teilnehmerinnen und von der Teilnehmerzahl ab. Das Ergebnis wird ebenfalls als Prozentwert angegeben.


DNA-Test bei Bruder und Schwester


Für einen Bruder und eine Schwester kommen zwei Analysen infrage, und beide brauchen nur einen Wangenabstrich der beiden Personen:

  • Geschwistertest: Er eignet sich, wenn Sie wissen möchten, ob beide Eltern, nur der Vater oder nur die Mutter gemeinsam sind. Wie bei den anderen Konstellationen beruht er auf Statistik, seine Aussagekraft steigt aber mit jeder zusätzlichen Person, die teilnimmt.

  • Mitochondrialer DNA-Test: Er ist die richtige Wahl, wenn es ausschließlich um die mütterliche Seite geht, also um die Frage, ob beide dieselbe leibliche Mutter haben.


Ein Y- oder X-Chromosom-Test scheidet hier in der Regel aus, weil Bruder und Schwester nicht dasselbe Geschlechtschromosom vom Vater erben: Der Bruder erhält das Y, die Schwester das X.


So wird das Ergebnis eines Geschwistertests verlässlicher


Je mehr genetische Informationen das Labor hat, desto präziser fällt die Auswertung aus. Drei Maßnahmen helfen besonders:

  • Einen Elternteil einbeziehen. Ist ein leiblicher Elternteil verfügbar, zum Beispiel die Mutter, kann das Labor einen Teil des Erbguts der Kinder sofort zuordnen und sich auf die eigentliche Frage konzentrieren. Wenn möglich, sollten Sie diese Möglichkeit nutzen.

  • Weitere Geschwister testen. Jede zusätzliche Person erweitert die Datenbasis und macht die Rekonstruktion des gemeinsamen Elternteils genauer.

  • Die Verwandtschaft angeben. Wissen Sie nicht, ob es sich um Voll- oder Halbgeschwister handelt, sagen Sie das dem Labor. Es prüft dann zuerst, ob überhaupt eine biologische Verwandtschaft besteht, und untersucht die Art der Beziehung danach genauer.


Eine Anmerkung zu Cousins und Cousinen: Ein Geschwistertest ist hier nicht sinnvoll. Sie teilen von Natur aus einen Teil ihres Erbguts, deshalb könnte der Test zwar eine Verwandtschaft zeigen, die eigentliche Frage aber nicht zuverlässig beantworten.


So lesen Sie das Ergebnis


Das Ergebnis wird als Verwandtschaftsindex angegeben und in eine Wahrscheinlichkeit umgerechnet:

  • Index über 1, Wahrscheinlichkeit über 90 %: Die Geschwisterbeziehung ist wahrscheinlich.

  • Index unter 1, Wahrscheinlichkeit unter 10 %: Die Geschwisterbeziehung ist unwahrscheinlich.

  • Werte dazwischen: Das Ergebnis kann offenbleiben.


Ablauf und rechtlicher Rahmen in Deutschland


Die Probenentnahme ist unkompliziert: Jede teilnehmende Person macht einen schmerzfreien Wangenabstrich, den sie zu Hause entnehmen kann. Die Teilnehmenden müssen dafür weder am selben Ort noch im selben Land leben, jede Person kann ihre Probe getrennt entnehmen und einschicken. Bei Wangenabstrichen liegt das Ergebnis des Geschwistertests in der Regel 5 bis 7 Tage nach Eingang im Labor vor.


In Deutschland regelt das Gendiagnostikgesetz (GenDG), unter welchen Bedingungen Abstammungstests erlaubt sind. Alle Personen, deren Proben untersucht werden, müssen vorher aufgeklärt werden und einwilligen. Bei minderjährigen Geschwistern entscheiden die Sorgeberechtigten, bei gemeinsamem Sorgerecht beide Eltern. Ein heimlicher Test ist unzulässig und vor Gericht nicht verwertbar. Welche Regeln im Detail gelten und warum ein privater Test vor allem der persönlichen Klärung dient, lesen Sie in unserem Beitrag zum Vaterschaftstest in Deutschland.


Ablauf und rechtlicher Rahmen in Deutschland

Fazit


Ein DNA-Test zwischen Geschwistern kann einen Zweifel an der Familienverbindung klären, vorausgesetzt, Sie wählen die Analyse, die zu Ihrer Frage passt: den Y-Chromosom-Test für die väterliche Linie zwischen Brüdern, den X-Chromosom-Test für den gemeinsamen Vater bei Schwestern, den mitochondrialen DNA-Test für die mütterliche Linie oder den Geschwistertest für eine Gesamtbewertung mit Prozentwert.

Weil die Aussagekraft auch vom Erbgut und von den verfügbaren Teilnehmenden abhängt, lohnt es sich, einen Elternteil oder weitere Geschwister einzubeziehen.


Überlegen Sie vor der Bestellung, welche Verbindung Sie überprüfen möchten und wer teilnehmen kann, und holen Sie die Einwilligung aller Beteiligten ein. Dann steht einem vertraulichen und verlässlichen Ergebnis nichts im Weg.


Welcher DNA-Test eignet sich für Geschwister?

Das hängt von Ihrer Frage ab. Für den gemeinsamen Vater unter Brüdern eignet sich der Y-Chromosom-Test, bei Schwestern der X-Chromosom-Test. Für die gemeinsame Mutter ist der mitochondriale DNA-Test passend. Wollen Sie beide Eltern überprüfen oder sind Bruder und Schwester beteiligt, ist der Geschwistertest die richtige Wahl.


Wie zuverlässig ist ein Geschwistertest?

Er beruht auf Statistik und Wahrscheinlichkeiten und ist deshalb weniger eindeutig als ein Vaterschaftstest. Die Zuverlässigkeit hängt vom Erbgut der Teilnehmenden und von der Zahl der Beteiligten ab. Nimmt ein leiblicher Elternteil teil, wird das Ergebnis deutlich genauer. Auch ein nicht eindeutiges Ergebnis ist möglich.


Muss ein Elternteil am Geschwistertest teilnehmen?

Zwingend ist das nicht, es wird aber empfohlen. Mit der DNA eines bekannten leiblichen Elternteils, zum Beispiel der Mutter, kann das Labor das Erbgut der Kinder besser zuordnen. Dasselbe gilt für zusätzliche Geschwister: Je mehr Personen teilnehmen, desto aussagekräftiger ist die Analyse.


Lassen sich Voll- und Halbgeschwister unterscheiden?

In vielen Fällen ja. Vollgeschwister teilen im Schnitt etwa 50 % ihrer DNA, Halbgeschwister etwa 25 %. Weil die tatsächlichen Werte schwanken, bewertet das Labor Wahrscheinlichkeiten. Geben Sie die vermutete Verwandtschaft bei der Bestellung an, damit die Auswertung darauf abgestimmt werden kann.


Brauche ich die Zustimmung meiner Geschwister?

Ja. Nach dem Gendiagnostikgesetz müssen alle Personen, deren Proben untersucht werden, vorher aufgeklärt werden und einwilligen. Bei minderjährigen Geschwistern stimmen die Sorgeberechtigten zu. Das gilt auch für Proben wie Haare oder eine Zahnbürste.

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