DNA-Analyse: Wie ein DNA-Test funktioniert und welche Arten es gibt
Ein DNA-Test kann klären, ob ein Mann der leibliche Vater eines Kindes ist, ob zwei Menschen Geschwister sind oder aus welchen Weltregionen die eigenen Vorfahren stammen. Hinter all diesen Fragen steht dieselbe Methode: die DNA-Analyse. Das Labor liest dabei nicht das gesamte Erbgut, sondern prüft gezielt Stellen, an denen sich Menschen voneinander unterscheiden.

Welcher Test der richtige ist, hängt von Ihrer Frage ab und davon, wer an der Analyse teilnehmen kann. In Deutschland kommt das Gendiagnostikgesetz hinzu, das Einwilligung, Labore und vorgeburtliche Tests genau regelt. Wer die Grundlagen kennt, kann Angebote realistischer einschätzen: was ein Ergebnis aussagt, wo seine Grenzen liegen und woran sich ein seriöses Labor erkennen lässt.
Was ist DNA?
DNA steht für Desoxyribonukleinsäure (englisch deoxyribonucleic acid). Das Molekül speichert die Erbinformation fast aller Lebewesen. Beim Menschen liegt der allergrößte Teil davon im Zellkern, Fachleute sprechen von Kern-DNA.
Eine kleine Menge DNA steckt außerdem in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle. Diese mitochondriale DNA, kurz mtDNA, umfasst knapp 17.000 Bausteine und 37 Gene. Die Kern-DNA enthält dagegen über 20.000 Gene.
Die Doppelhelix und ihr Alphabet aus vier Buchstaben
Die DNA hat die Form einer Doppelhelix, einer in sich verdrehten Strickleiter. Die beiden Holme bestehen abwechselnd aus Zucker- und Phosphatmolekülen. Die Sprossen bilden vier Basen, die über Wasserstoffbrücken immer paarweise zusammenhalten:
Adenin (A) verbindet sich mit Thymin (T).
Cytosin (C) verbindet sich mit Guanin (G).
Die Reihenfolge dieser Basen ist der genetische Code. Man kann sie sich wie Buchstaben vorstellen, aus denen der Bauplan des Körpers geschrieben ist. Ein einfacher Chromosomensatz des Menschen umfasst rund 3 Milliarden solcher Buchstaben.
Bemerkenswert ist, wie ähnlich sich Menschen darin sind. Nach Angaben des US-amerikanischen National Human Genome Research Institute (NHGRI) stimmen die Genome zweier Menschen im Schnitt zu etwa 99,6 % überein, wenn man alle Arten von Varianten berücksichtigt. Die häufig zitierten 99,9 % beziehen sich nur auf Unterschiede in einzelnen Bausteinen. Im verbleibenden kleinen Rest steckt das, was einen DNA-Test überhaupt möglich macht.
Chromosomen: wie die DNA verpackt ist
In jeder Körperzelle ist die DNA auf 46 Chromosomen verteilt, also auf 23 Paare. Ein Chromosom jedes Paares stammt von der Mutter, das andere vom Vater.
Jedes Chromosom wird durch eine Einschnürung, das Zentromer, in zwei Arme geteilt. Der kürzere heißt p-Arm, nach dem französischen Wort „petit“ für klein, der längere q-Arm. Die Buchstaben dienen als Adressangaben: 2p24.1 etwa bezeichnet eine bestimmte Stelle auf dem kurzen Arm von Chromosom 2. Über den Inhalt sagen sie nichts aus. Gene und individuelle Varianten finden sich auf beiden Armen.
Gene: die Bauanleitungen im Erbgut
Gene sind Abschnitte der DNA, die vor allem Anleitungen für den Bau von Proteinen enthalten. Proteine erledigen im Körper einen Großteil der Arbeit, sie reparieren Zellen und steuern das Wachstum. Gene beeinflussen auch sichtbare Merkmale wie die Augenfarbe.
Vor jeder Zellteilung wird die DNA kopiert, damit jede neue Zelle das vollständige Erbgut erhält. Für die Vererbung zählen aber die Keimzellen. Eizellen und Spermien tragen nur einen einfachen Chromosomensatz mit 23 Chromosomen, bei der Befruchtung kommen beide Hälften zusammen. Welche Varianten ein Kind von jedem Elternteil erbt, entscheidet der Zufall. Deshalb ähneln sich Geschwister, gleichen sich aber nicht.
Mutationen und Umwelt: woher die Unterschiede kommen
Die genetischen Unterschiede zwischen Menschen gehen auf Mutationen zurück, also auf Veränderungen in der Abfolge der DNA-Bausteine. Manche entstehen ganz neu, wenn sich die Keimzellen der Eltern bilden.
Wie häufig das geschieht, zeigt eine isländische Studie mit 1.548 Familien, die 2017 in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist. Die Forschenden fanden bei jedem Kind im Schnitt rund 70 neue Mutationen, die bei keinem Elternteil vorkamen. Ihre Zahl stieg mit dem Alter der Eltern: pro Lebensjahr des Vaters um etwa 1,5, pro Lebensjahr der Mutter um knapp 0,4.
Eine Mutation kann folgenlos bleiben, einen Vorteil bringen, etwa eine Widerstandskraft gegen bestimmte Krankheiten, oder schaden und körperliche oder geistige Beeinträchtigungen verursachen.
Die Gene erklären allerdings nicht alles. Die Umwelt prägt mit: Sonnenlicht verändert die Pigmentierung der Haut, Ernährung und Bewegung beeinflussen Muskelmasse und Knochendichte.
Was ist ein DNA-Test?
Bei einem DNA-Test gewinnt ein Labor Erbgut aus einer biologischen Probe und untersucht ausgewählte Stellen, die sogenannten genetischen Marker. Welche Marker es nutzt, hängt von der Frage ab:
Abstammungstests wie der Vaterschaftstest arbeiten meist mit STR-Markern (Short Tandem Repeats). Das sind kurze DNA-Abschnitte, die sich mehrfach hintereinander wiederholen. Wie oft, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Labore vergleichen typischerweise 15 bis 30 solcher Marker.
Herkunftstests setzen einen DNA-Chip ein, der Hunderttausende einzelne Bausteine prüft, sogenannte SNPs (Single Nucleotide Polymorphisms). AncestryDNA wertet nach eigenen Angaben rund 700.000 davon aus.
Mit diesen Daten lässt sich eine Person identifizieren, eine Verwandtschaft prüfen, die Herkunft schätzen oder, im ärztlichen Rahmen, ein genetisches Krankheitsrisiko abklären.

So läuft ein DNA-Test ab
Bestellen: Sie bestellen den Test online. Je nach Anbieter kommt ein Entnahmeset per Post oder eine Anleitung mit allen Formularen per E-Mail.
Probe entnehmen: Meist genügt ein Wangenabstrich. Mit einem Wattestäbchen streichen Sie einige Sekunden über die Innenseite der Wange, das ist schmerzfrei.
Einsenden: Die Proben gehen zusammen mit den unterschriebenen Einwilligungen per Post ans Labor.
Ergebnis erhalten: Die Dauer hängt vom Test ab. Ein Vaterschaftstest mit Wangenabstrichen liegt oft wenige Tage nach Eingang im Labor vor, bei InfoTestADN in der Regel nach 3 bis 5 Tagen. Herkunftstests brauchen mehrere Wochen: MyHeritage nennt drei bis vier, AncestryDNA bis zu sechs.
Wer ein Ergebnis für Gericht oder Behörden braucht, nimmt die Proben nicht selbst. Dann übernimmt eine Ärztin, ein Arzt oder eine andere unabhängige, sachkundige Person die Entnahme und prüft die Ausweise aller Teilnehmenden.
Welche Proben eignen sich?
Der Wangenabstrich ist der Standard. Er ist einfach, nicht invasiv und liefert in aller Regel genug DNA. Eine Blutprobe ist ebenfalls möglich, muss aber von medizinischem Fachpersonal entnommen werden.
Ist kein Abstrich möglich, etwa nach einem Todesfall, kann das Labor DNA auch aus anderem Material gewinnen:
Haare mit Wurzel
abgeschnittene Finger- oder Fußnägel
Zigarettenstummel
eine benutzte Zahnbürste
Solche nicht standardisierten Proben sind deutlich anspruchsvoller. Wie viel verwertbare DNA sie enthalten, hängt davon ab, wie alt sie sind, wie sie gelagert wurden und ob fremde DNA hineingeraten ist. Haare ohne Wurzel reichen meist nicht aus. Die Analyse dauert länger, kostet häufig mehr und kann scheitern, wenn das Material kein vollständiges DNA-Profil hergibt.
In Deutschland gilt dabei zweierlei. Auch eine Zahnbürste darf nur mit Einwilligung der Person untersucht werden, von der sie stammt. Und für ein gerichtsverwertbares Gutachten kommen solche Proben in der Regel nicht infrage, weil sich ihre Herkunft nicht lückenlos belegen lässt.
Welche Arten von DNA-Tests gibt es?
Die Labormethoden ähneln sich, die Fragen dahinter nicht. Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Testarten ein. Ablauf und Preise der einzelnen Tests finden Sie in unserer Übersicht aller DNA-Tests im Vergleich.
Test | Beantwortet die Frage | Wer nimmt teil? |
Vaterschaftstest | Ist er der leibliche Vater? | Kind und mutmaßlicher Vater, Mutter empfohlen |
Geschwistertest | Haben wir einen oder beide Elternteile gemeinsam? | zwei oder mehr Geschwister, Mutter empfohlen |
Avunkulartest | Ist das Kind mit diesem Onkel oder dieser Tante verwandt? | Kind und Vollgeschwister des gesuchten Elternteils |
Zwillingstest | Eineiig oder zweieiig? | beide Zwillinge |
Y-Chromosom-Test | Gehören zwei Männer zur selben väterlichen Linie? | nur Männer |
X-Chromosom-Test | Haben zwei Frauen denselben Vater? | Schwestern, Enkelin und Großmutter väterlicherseits |
mtDNA-Test | Stammen zwei Menschen aus derselben mütterlichen Linie? | Frauen und Männer |
Herkunftstest | Aus welchen Regionen stammen meine Vorfahren? | eine Person |
NIPT | Gibt es Hinweise auf eine Trisomie 13, 18 oder 21? | Schwangere |
Abstammung klären: Vaterschaft, Geschwister, Zwillinge
Vaterschaftstest. Das Labor vergleicht die DNA des Kindes mit der des mutmaßlichen Vaters. An jedem Marker muss der leibliche Vater die väterliche Variante des Kindes tragen. Fehlt sie an mehreren Markern, ist er als Vater ausgeschlossen. Passt sie überall, berechnet das Labor eine Vaterschaftswahrscheinlichkeit. Ab 99,9 % gilt die Vaterschaft nach der Richtlinie der Gendiagnostik-Kommission (GEKO) als „praktisch erwiesen“. Die Probe der Mutter ist nicht zwingend, macht das Ergebnis aber aussagekräftiger.
Geschwistertest. Er klärt, ob zwei Menschen beide Eltern gemeinsam haben (Vollgeschwister), nur einen (Halbgeschwister) oder keinen. Weil jedes Kind eine zufällige Hälfte des elterlichen Erbguts erhält, teilen auch echte Geschwister unterschiedlich viel DNA. Das Ergebnis ist deshalb eine Wahrscheinlichkeit, kein klares Ja oder Nein.
Avunkulartest. Steht der mutmaßliche Vater nicht zur Verfügung, kann ein Onkel oder eine Tante des Kindes einspringen. Aussagekräftig ist der Test nur mit einem Vollgeschwister des gesuchten Elternteils, also mit einem Bruder oder einer Schwester mit denselben beiden Eltern. Nimmt die Mutter des Kindes teil, steigt die Zuverlässigkeit.
Zwillingstest. Er zeigt, ob Zwillinge eineiig oder zweieiig sind. Eineiige Zwillinge entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich teilt. Sie haben dasselbe DNA-Profil und sind damit die einzige Ausnahme von der Regel, dass jedes Profil einzigartig ist. Zweieiige Zwillinge entstehen aus zwei Eizellen und sind sich genetisch so ähnlich wie andere Geschwister. Eineiige Zwillinge kommen bei etwa 4 von 1.000 Geburten vor, weltweit ungefähr gleich häufig. In Deutschland ist das knapp ein Viertel aller Zwillingspaare.
Familienlinien verfolgen: Y-Chromosom, X-Chromosom und mtDNA
Y-Chromosom-Test. Das Y-Chromosom geht nahezu unverändert vom Vater auf den Sohn über. Damit lässt sich die rein väterliche Linie verfolgen, auch über Brüder, Onkel oder Cousins väterlicherseits. Der Test zeigt, ob zwei Männer derselben Linie angehören. Welcher Mann innerhalb dieser Linie der Vater ist, kann er nicht unterscheiden.
X-Chromosom-Test. Ein Mann besitzt nur ein X-Chromosom und gibt es an jede Tochter weiter. Zwei Schwestern mit demselben Vater tragen deshalb dasselbe väterliche X-Chromosom, auch wenn sie verschiedene Mütter haben. Haben sie dieselbe Mutter, braucht das Labor deren Probe, um die mütterlichen Anteile herauszurechnen. Auch eine Enkelin und ihre Großmutter väterlicherseits lassen sich vergleichen, denn der Vater hat sein X-Chromosom von seiner Mutter geerbt. So lässt sich eine Verwandtschaft väterlicherseits prüfen, wenn der Vater selbst nicht verfügbar ist.
mtDNA-Test. Die mitochondriale DNA wird über die Eizelle von der Mutter an ihre Kinder weitergegeben. Sie eignet sich, um die mütterliche Linie zu verfolgen und menschliche Überreste zu identifizieren. In der Medizin spielt sie bei seltenen Mitochondriopathien eine Rolle. Diese Erkrankungen treffen vor allem Organe mit hohem Energiebedarf wie Gehirn, Nerven, Muskeln und die Netzhaut.

Tests in der Schwangerschaft
Im Blut einer Schwangeren zirkulieren kleine Bruchstücke kindlicher DNA, die überwiegend aus der Plazenta stammen. Darauf beruhen mehrere nicht-invasive Tests: Eine Blutprobe der Mutter genügt, ein Eingriff, der das Kind gefährden könnte, ist nicht nötig. Rechtlich behandelt das Gendiagnostikgesetz diese Tests allerdings sehr unterschiedlich.
Pränataler Vaterschaftstest. Technisch braucht er eine Blutprobe der Schwangeren und einen Wangenabstrich des mutmaßlichen Vaters. In Deutschland ist er jedoch grundsätzlich verboten, auch wenn alle Beteiligten einverstanden sind. § 17 Abs. 6 GenDG lässt nur einen Ausnahmefall zu: Nach ärztlicher Erkenntnis muss an der Schwangeren eine Sexualstraftat begangen worden sein, und dringende Gründe müssen dafür sprechen, dass die Schwangerschaft darauf beruht. Den Test darf dann nur eine Ärztin oder ein Arzt vornehmen.
Geschlechtsbestimmung. Ein Bluttest kann das Geschlecht des Kindes bestimmen, indem er nach DNA des Y-Chromosoms sucht. Findet er sie, ist es ein Junge, sonst ein Mädchen. Technisch ist das ab der 7. Schwangerschaftswoche möglich, verlässlicher aber einige Wochen später. In Deutschland ist eine vorgeburtliche genetische Untersuchung nur zu medizinischen Zwecken erlaubt (§ 15 GenDG), wer sie aus anderen Gründen vornimmt, macht sich strafbar (§ 25 GenDG). Das Geschlecht darf der Schwangeren zudem erst nach Ablauf der zwölften Woche nach der Befruchtung mitgeteilt werden, in der üblichen Zählung ab SSW 14+0. Meist erfahren Eltern es deshalb beim Ultraschall: Je nach Lage des Kindes ist es dort ab etwa der 12. Woche zu erkennen.
Eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) ist kein Geschlechtstest, sondern dient der Abklärung möglicher Erkrankungen des Kindes. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt sie frühestens ab der 16. Schwangerschaftswoche. Nach ihren Angaben aus dem Jahr 2013 kommt es bei ein bis zwei von 200 Schwangeren infolge der Punktion zu einer Fehlgeburt. Erfahrene Untersucher, die konsequent unter Ultraschallkontrolle arbeiten, können die Rate auf etwa 0,2 % senken.
NIPT. Der nicht-invasive Pränataltest sucht im Blut der Mutter nach Hinweisen auf die Trisomien 13, 18 und 21 (Down-Syndrom). Er ist ab der 10. Schwangerschaftswoche möglich, also im ersten Schwangerschaftsdrittel. Entscheidend ist, wie man das Ergebnis liest: Der NIPT ist ein Suchtest, keine Diagnose. Ist er unauffällig, schließt er eine Trisomie mit hoher Sicherheit aus. Ist er auffällig, muss ein Eingriff wie die Fruchtwasseruntersuchung den Befund bestätigen. Der NIPT ersetzt die Amniozentese also nicht, verringert aber die Zahl der Fälle, in denen sie nötig wird. Seit dem 1. Juli 2022 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen ihn in begründeten Einzelfällen nach ärztlicher Beratung.
Herkunft und Gesundheit
Herkunftstest. Ein DNA-Herkunftstest, auch genetische Genealogie genannt, vergleicht Ihre DNA mit Referenzgruppen. Das sind Menschen, deren Familien seit Generationen in derselben Gegend leben. Heraus kommen Prozentwerte für verschiedene Weltregionen. Diese Werte sind Schätzungen und hängen stark davon ab, welche Referenzdaten ein Anbieter verwendet. Oft aufschlussreicher ist der zweite Teil des Tests: der Abgleich mit anderen Kunden. Er kann Cousins und andere, auch entfernte Verwandte aufzeigen und hilft Adoptierten ebenso wie Menschen, die einen unbekannten Elternteil suchen. Wie aus einer Speichelprobe solche Prozentwerte werden, erklärt unser Beitrag dazu, wie ein DNA-Herkunftstest von der Probe bis zum Ergebnis funktioniert.
Tests auf genetische Veranlagungen. Solche Tests suchen nach Varianten, die das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöhen. Sie liefern eine Wahrscheinlichkeit, keine Diagnose: Wer eine Risikovariante trägt, erkrankt nicht zwangsläufig. Ein Ergebnis kann Anlass sein, Ernährung, Bewegung oder Vorsorgeuntersuchungen anzupassen.
Für solche prädiktiven Untersuchungen zu medizinischen Zwecken setzt das Gendiagnostikgesetz enge Grenzen. Vornehmen dürfen sie nur Fachärztinnen und Fachärzte für Humangenetik oder andere Ärzte mit entsprechender Qualifikation (§ 7 GenDG). Vor und nach der Untersuchung ist eine genetische Beratung vorgeschrieben, es sei denn, Sie verzichten nach Aufklärung schriftlich darauf (§ 10 GenDG). Besprechen Sie ein auffälliges Ergebnis eines Online-Tests deshalb mit Ihrer Hausarztpraxis oder einer humangenetischen Beratungsstelle, bevor Sie Schlüsse daraus ziehen.
Was in Deutschland rechtlich gilt
Genetische Daten sind besonders persönlich. Sie verraten etwas über die getestete Person und zugleich über ihre Blutsverwandten. Entsprechend kontrovers wird über DNA-Tests diskutiert. Die einen betonen das Recht, die eigene Herkunft zu kennen. Die anderen warnen vor Diskriminierung und vor Entscheidungen, die unter dem Eindruck eines Ergebnisses vorschnell fallen.
Das Gendiagnostikgesetz (GenDG), seit Februar 2010 in Kraft, versucht beides auszubalancieren. Es verbietet unter anderem, jemanden wegen seiner genetischen Eigenschaften oder der eines Verwandten zu benachteiligen (§ 4) und enthält eigene Regeln für Versicherungen und das Arbeitsleben.
Ohne Einwilligung kein Abstammungstest
Für Abstammungstests ist § 17 GenDG maßgeblich. Jede Person, deren Probe untersucht wird, muss vorher aufgeklärt worden sein und eingewilligt haben. Diese Pflicht trifft ausdrücklich auch die Person, die den Test in Auftrag gibt. Für ein minderjähriges Kind entscheiden die Sorgeberechtigten.
Ein heimlicher Test, etwa mit der Zahnbürste oder dem Schnuller eines Kindes, ist damit unzulässig. Der Bundesgerichtshof hat bereits 2005 entschieden, dass ein solches Gutachten in einem Anfechtungsverfahren nicht verwertet werden darf. Das früher oft genannte Bußgeld von bis zu 5.000 Euro gibt es seit Ende 2019 nicht mehr. Erlaubt ist ein heimlicher Test dadurch aber nicht geworden. Wer Proben vertauscht oder bei der Entnahme falsche Angaben zur Identität macht, riskiert je nach Fall zudem ein Strafverfahren, etwa wegen Betrugs.
Verweigert jemand seine Zustimmung, bleibt ein legaler Weg. Nach § 1598a BGB können der rechtliche Vater, die Mutter und das Kind voneinander verlangen, in einen Abstammungstest einzuwilligen. Notfalls ersetzt das Familiengericht die fehlende Einwilligung. Die Einzelheiten fasst unser Ratgeber zusammen, was beim Vaterschaftstest in Deutschland erlaubt ist und was nicht.
Was mit Ihrer Probe und Ihren Daten geschieht
Das Gesetz begrenzt auch, was ein Labor mit dem eingesandten Material tun darf:
Nur die Abstammung: Bei einem Abstammungstest darf das Labor nur untersuchen, was zur Klärung der Verwandtschaft nötig ist. Feststellungen über andere Eigenschaften, etwa Krankheitsrisiken, sind ausdrücklich verboten (§ 17 Abs. 1 GenDG).
Zweckbindung und Vernichtung: Die Probe darf nur für den vereinbarten Zweck verwendet werden. Sie muss vernichtet werden, sobald sie nicht mehr gebraucht wird oder Sie Ihre Einwilligung widerrufen (§ 13 GenDG).
Widerruf jederzeit: Ihre Einwilligung können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft zurücknehmen (§ 8 Abs. 2 GenDG).
Ihre Entscheidung über das Ergebnis: Ob Ihnen das Ergebnis mitgeteilt oder ob es vernichtet wird, legen Sie bereits mit der Einwilligung fest (§ 8 Abs. 1 GenDG).
Datenschutz: Für Labore in der EU gilt zusätzlich die Datenschutz-Grundverordnung. Sie zählt genetische Daten zu den besonders geschützten Kategorien personenbezogener Daten (Art. 9 DSGVO).
Woran Sie ein seriöses DNA-Labor erkennen
ISO/IEC 17025: die maßgebliche Akkreditierung
Die zentrale Qualitätsnorm für Prüflabore ist die ISO/IEC 17025. Sie legt allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboren fest. Bei einer Akkreditierung begutachtet eine unabhängige Stelle unter anderem Personal, Ausstattung, Verfahren und Qualitätskontrollen. Herausgeberin ist unter anderem die Internationale Organisation für Normung (ISO), eine unabhängige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Genf. Ihr Netzwerk umfasst 176 nationale Normungsorganisationen.
In Deutschland ist die Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 für Labore, die Abstammungsuntersuchungen durchführen, seit dem 1. Februar 2011 Pflicht. Vergeben wird sie von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS).
Eine Akkreditierung ist ein starkes Qualitätsmerkmal, aber keine Garantie für jedes einzelne Ergebnis. Die GEKO-Richtlinie sieht deshalb zusätzliche Kontrollen vor: von jeder Person zwei Proben, die Bestätigung jedes Ausschlusses an der zweiten Probe und die regelmäßige Teilnahme an externen Ringversuchen, bei denen Labore ihre Ergebnisse mit anderen abgleichen.
AABB: wichtig für Verfahren in den USA
Die AABB wurde 1947 als American Association of Blood Banks gegründet. Seit 2021 heißt sie Association for the Advancement of Blood & Biotherapies. Sie akkreditiert unter anderem Labore für Verwandtschaftstests.
In den USA ist diese Akkreditierung freiwillig. Für DNA-Tests in US-Visa-, Pass- und Einbürgerungsverfahren akzeptieren die Behörden jedoch nur Fälle, die direkt über ein AABB-akkreditiertes Labor laufen. Für einen privaten Test in Deutschland ist die AABB keine Voraussetzung, kann aber ein zusätzliches Qualitätsmerkmal sein.
Weitere Punkte vor der Bestellung
Labor und Akkreditierung: Nennt der Anbieter das Labor, das die Analyse durchführt, und dessen Akkreditierung? Die AABB etwa veröffentlicht eine Liste aller akkreditierten Labore für Verwandtschaftstests.
Zahl der Marker: Wie viele genetische Marker werden verglichen? Bei Vaterschaftstests sind 15 bis 30 üblich, bei InfoTestADN sind es 21.
Umgang mit Daten: Wie lange werden Probe und Ergebnis aufbewahrt, werden sie an Dritte weitergegeben oder für Forschung genutzt, und wie können Sie die Löschung verlangen?
Vor der DNA-Analyse: drei Fragen, die Sie klären sollten
Bevor Sie eine DNA-Analyse in Auftrag geben, lohnt sich ein kurzer Check. Er erspart Fehlkäufe, Wartezeit und im schlimmsten Fall ein Ergebnis, das Ihnen nicht weiterhilft.
Welche Frage soll der Test beantworten? Vaterschaft, Geschwisterschaft, Herkunft und Gesundheitsrisiken sind verschiedene Tests mit verschiedenen Methoden. Für persönliche Gewissheit genügt ein privater Test. Für Gericht oder Behörde brauchen Sie ein identitätsgesichertes Gutachten.
Wer kann teilnehmen, und haben alle eingewilligt? Die Probe der Mutter verbessert viele Abstammungstests. Fehlt der mutmaßliche Vater, kommen Geschwister, Onkel, Tanten oder Großeltern infrage. In jedem Fall braucht es die Einwilligung aller getesteten Personen, für Kinder die der Sorgeberechtigten.
Welchem Labor vertrauen Sie Ihre DNA an? Achten Sie auf eine Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 und auf klare Angaben zur Vernichtung von Probe und Daten.
Und überlegen Sie vorab, was Sie mit einem unerwarteten Ergebnis tun würden. Es lässt sich nicht zurücknehmen und betrifft fast immer mehrere Menschen.
Häufige Fragen zur DNA-Analyse
Ab welchem Alter kann ein DNA-Test gemacht werden?
Ab der Geburt. Ein Mindestalter gibt es nicht, denn der Wangenabstrich ist auch bei einem Neugeborenen schmerzfrei und in wenigen Sekunden erledigt. Für ein minderjähriges Kind müssen in Deutschland die Sorgeberechtigten einwilligen.
Was ist der Unterschied zwischen DNA und Genom?
DNA ist das Molekül, in dem die Erbinformation gespeichert ist. Das Genom bezeichnet die Gesamtheit dieser Erbinformation eines Lebewesens. Ein DNA-Test untersucht in der Regel nur einen winzigen Ausschnitt des Genoms, nämlich die Stellen, die für die jeweilige Frage aussagekräftig sind.
Zahlt die Krankenkasse einen DNA-Test?
Einen privaten Vaterschafts- oder Herkunftstest zahlen Sie selbst, er ist keine medizinische Leistung. Kommt es zu einem gerichtlichen Abstammungsverfahren, gehören die Kosten des Gutachtens zu den Verfahrenskosten, die das Gericht verteilt. Wer wenig verdient, kann Verfahrenskostenhilfe beantragen.
Kann ein Vaterschaftstest eineiige Zwillinge unterscheiden?
Ein Standardtest kann das nicht. Eineiige Zwillinge haben dasselbe DNA-Profil. Kommen zwei eineiige Zwillingsbrüder als Vater infrage, zeigt ein klassischer Vaterschaftstest für beide dasselbe Ergebnis. Geben Sie eine solche Konstellation deshalb schon bei der Bestellung an.
