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Vaterschaftstest bei Zwillingen: Können Zwillinge verschiedene Väter haben?

il y a 3 heures
7 min de lecture

Die meisten Schwangerschaften enden mit der Geburt eines einzigen Kindes. Dabei verschmilzt eine Eizelle mit einem Spermium, und das Kind erbt je die Hälfte seiner DNA von der Mutter und vom Vater. Bei Zwillingen stellen sich dagegen besondere Fragen, vor allem wenn Zweifel an der Vaterschaft bestehen.


Vaterschaftstest bei Zwillingen

Haben beide Kinder zwingend denselben Vater? Und welche Analyse bringt verlässlich Klarheit? Ein Vaterschaftstest bei Zwillingen beantwortet diese Fragen. Dazu muss man aber wissen, um welche Art von Zwillingen es sich handelt und welcher DNA-Test zur jeweiligen Situation passt.


Wie entstehen Zwillinge?


Von einer Zwillingsschwangerschaft spricht man, wenn eine Frau in derselben Schwangerschaft zwei Föten austrägt. In Deutschland ist das keineswegs selten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kamen 2024 insgesamt 20.550 Zwillingskinder zur Welt. Mehrlingskinder machten damit 3,1 % aller Geborenen aus, rechnerisch also jedes 32. Kind. Nach jahrzehntelangem Anstieg sinkt dieser Anteil seit 2017 wieder.


Warum eine Frau Zwillinge erwartet, lässt sich im Einzelfall oft nicht genau sagen. Einige Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit jedoch nachweislich.


Faktoren, die eine Zwillingsschwangerschaft begünstigen


  • Herkunft: Die Zwillingsrate schwankt weltweit erheblich. In einigen Regionen Afrikas ist sie besonders hoch, in Asien vergleichsweise niedrig.

  • Familiäre Veranlagung: Gab es in der Familie bereits zweieiige Zwillinge, steigt die Chance auf eine Zwillingsschwangerschaft.

  • Alter der Mutter: Zwischen 30 und 40 Jahren geben die Eierstöcke häufiger als in jüngeren Jahren mehr als eine Eizelle pro Zyklus frei. Das zeigt sich auch in der Statistik. 2024 waren Mütter von Mehrlingen in Deutschland bei der Geburt im Schnitt 32,9 Jahre alt, Mütter eines einzelnen Kindes 31,8 Jahre.

  • Kinderwunschbehandlung: Eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke oder eine In-vitro-Fertilisation (IVF) erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft.


Eineiig oder zweieiig: die zwei Arten von Zwillingen


Eineiige Zwillinge (monozygot)


Eineiige Zwillinge entstehen, wenn eine einzige, von einem Spermium befruchtete Eizelle sich anschließend in zwei Embryonen teilt. Da beide aus derselben befruchteten Eizelle hervorgehen, haben sie praktisch identisches Erbgut. Deshalb haben sie auch dasselbe Geschlecht: Es sind entweder zwei Mädchen oder zwei Jungen.


Durch diese genetische Übereinstimmung können eineiige Zwillinge auch dieselben Veranlagungen haben, etwa für bestimmte genetische Anomalien, Allergien oder Krankheiten. Für die Frage nach dem Vater ist vor allem eines entscheidend: Eineiige Zwillinge haben zwangsläufig denselben biologischen Vater. Ob Zwillinge eineiig oder zweieiig sind, lässt sich mit einem Zwillings-DNA-Test zuverlässig bestimmen.


Zweieiige Zwillinge (dizygot)


Zweieiige Zwillinge entstehen, wenn zwei verschiedene Eizellen etwa zur gleichen Zeit von zwei verschiedenen Spermien befruchtet werden. Die beiden Embryonen wachsen dann unabhängig voneinander in derselben Gebärmutter heran.


Genetisch verhalten sich zweieiige Zwillinge wie gewöhnliche Geschwister, die zufällig gleichzeitig zur Welt kommen. Im Durchschnitt teilen sie rund 50 % ihrer DNA. Sie können gleichen oder unterschiedlichen Geschlechts sein und ähneln sich meist weniger als eineiige Zwillinge, auch wenn sie natürlich gemeinsame Merkmale haben können. Aus demselben Grund passen sie bei einer Organspende seltener so gut zusammen wie eineiige Zwillinge.


Können Zwillinge verschiedene Väter haben?


Ja, allerdings nur zweieiige Zwillinge. Fachleute sprechen von heteropaternaler Superfekundation. Gemeint ist, dass zwei Eizellen aus demselben Zyklus von Spermien zweier verschiedener Männer befruchtet werden.


Wie kommt es dazu?


Voraussetzung ist, dass in einem Zyklus zwei Eizellen heranreifen und die Frau in den Tagen vor dem Eisprung kurz nacheinander Geschlechtsverkehr mit verschiedenen Partnern hat. Spermien bleiben im weiblichen Körper bis zu fünf Tage befruchtungsfähig. Deshalb kann jede der beiden Eizellen von einem anderen Mann befruchtet werden.


Die Folge: Beide Zwillinge erben die Hälfte ihrer DNA von derselben Mutter, die väterliche Hälfte stammt aber von zwei verschiedenen Männern. Genetisch sind die Kinder damit Halbgeschwister, obwohl sie gemeinsam geboren wurden.


Wie häufig ist das?


Beim Menschen ist heteropaternale Superfekundation selten. Eine oft zitierte Auswertung von rund 39.000 Abstammungsgutachten kam auf einen Anteil von 2,4 %. Dieser Wert gilt allerdings nur für zweieiige Zwillinge, deren Eltern ohnehin in einem Vaterschaftsverfahren standen, und lässt sich nicht auf alle Zwillingsgeburten übertragen.


Wie solche Fälle aufgedeckt werden, zeigt ein Fallbericht der Universität Kopenhagen zu Zwillingen mit zwei verschiedenen Vätern. Die Rechtsgenetiker verglichen 22 genetische Marker der Zwillinge, der Mutter und zweier möglicher Väter. So konnten sie nachweisen, dass die beiden Jungen unterschiedliche Väter hatten. Es war der erste Fall dieser Art in den Vaterschaftsakten des Instituts.


Wie lässt sich die Vaterschaft bei Zwillingen überprüfen

Wie lässt sich die Vaterschaft bei Zwillingen überprüfen?


Mit einer DNA-Analyse lassen sich Zweifel an der Vaterschaft bei Zwillingen heute klären. Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem einzelnen Kind. Das Labor vergleicht die genetischen Profile mehrerer Personen und prüft, ob sie zu einer biologischen Abstammung passen.


Nicht jeder Test ist aber gleich aussagekräftig. Manche liefern eine direkte Antwort, andere nur eine Wahrscheinlichkeit oder einen indirekten Hinweis.


Der Vaterschaftstest: die zuverlässigste Methode


Wer wissen will, ob Zwillinge denselben Vater haben, ist mit dem Vaterschaftstest am sichersten beraten. Getestet werden der mutmaßliche Vater und beide Zwillinge. Beide Kinder einzubeziehen ist wichtig. Bei zweieiigen Zwillingen gilt das Ergebnis des einen Kindes nämlich nicht automatisch für das andere, denn im seltenen Fall einer Superfekundation stammen sie von verschiedenen Männern ab.


Die Proben werden in der Regel per Mundschleimhautabstrich (Speichel) genommen. Je nach Fall kann das Labor auch andere Proben auswerten, zum Beispiel Haare oder Fingernägel.


  • Zuverlässigkeit: 100 % bei einem negativen Ergebnis (Vaterschaft ausgeschlossen), 99,9 % bei einem positiven Ergebnis (Vaterschaft bestätigt).

  • Dauer: Die Ergebnisse liegen meist 3 bis 5 Tage nach Eingang der Proben vor. Bei anderen Proben wie Haaren oder Nägeln dauert die Auswertung länger.


Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Ergebnis auch in einem Gerichts- oder Behördenverfahren als Beweis dienen (siehe unten). Wer eine direkte und eindeutige Antwort sucht, wählt am besten einen DNA-Vaterschaftstest.


Ist ein Vaterschaftstest schon in der Schwangerschaft möglich?


Bei Zwillingen nicht. Ein pränataler Vaterschaftstest wertet zellfreie fetale DNA aus, die im Blut der Mutter zirkuliert. Erwartet eine Frau mehrere Kinder, vermischen sich die genetischen Profile der Föten in ihrem Blut. Das Erbgut eines einzelnen Babys lässt sich dann nicht mehr sauber herauslösen, und die Analyse ist für diese Frage nicht auswertbar.


Hinzu kommt die Rechtslage. In Deutschland verbietet das Gendiagnostikgesetz (GenDG) vorgeburtliche Abstammungsuntersuchungen grundsätzlich. Eine Ausnahme gilt nur, wenn nach ärztlicher Erkenntnis eine Sexualstraftat an der Schwangeren begangen wurde und dringende Gründe dafür sprechen, dass die Schwangerschaft darauf beruht. Ein Vaterschaftstest bei Zwillingen ist deshalb erst nach der Geburt möglich.


Der Zwillingstest: eine indirekte, aber hilfreiche Antwort


Eine andere Möglichkeit ist, zuerst einen Zwillingstest (auch Zygositätstest genannt) machen zu lassen. Dabei wird die DNA der beiden Zwillinge verglichen, um festzustellen, ob sie eineiig oder zweieiig sind. Ein einfacher Mundschleimhautabstrich bei jedem Kind genügt. Die DNA der Eltern wird dafür nicht gebraucht.


Auch dieser Test ist sehr zuverlässig: 100 % bei einem negativen Ergebnis (nicht eineiig) und 99,9 % bei einem positiven Ergebnis (eineiig). Seine Grenze sollte man aber kennen. Er sagt nicht direkt, ob zweieiige Zwillinge denselben biologischen Vater haben. Er erlaubt vor allem einen logischen Schluss:

  • Sind die Zwillinge eineiig, haben sie zwingend denselben Vater.

  • Sind sie zweieiig, kann der Test allein nicht klären, ob sie verschiedene Väter haben.


Der Geschwistertest: eine ergänzende Option


Auch ein DNA-Geschwistertest kann zeigen, ob Zwillinge denselben Vater haben. Er misst, wie eng die Kinder genetisch verwandt sind. Daraus schätzt er, wie wahrscheinlich es ist, dass sie Vollgeschwister (gleicher Vater) oder Halbgeschwister (verschiedene Väter) sind.


Die Einschränkung ist jedoch erheblich. Anders als der Vaterschaftstest liefert er keine eindeutige Antwort mit Ja oder Nein. Das Ergebnis wird als Prozentwert oder statistischer Index angegeben und muss ausgelegt werden. Je nach genetischer Konstellation der Zwillinge kann es ungenau bleiben oder gar keine Aussage erlauben.


Um das Ergebnis sicherer zu machen, sollte nach Möglichkeit auch die DNA der leiblichen Mutter untersucht werden. So lassen sich die Merkmale herausrechnen, die sie vererbt hat, und der Vergleich konzentriert sich auf das väterliche Erbgut. Sinnvoll ist dieser Test vor allem, wenn der mutmaßliche Vater für einen direkten Vaterschaftstest nicht zur Verfügung steht.


Vaterschaftstest bei Zwillingen in Deutschland: Was rechtlich gilt


In Deutschland gilt für jede genetische Abstammungsuntersuchung das Gendiagnostikgesetz. Für einen Vaterschaftstest bei Zwillingen heißt das:

  • Einwilligung aller Beteiligten: Jede Person, deren Probe untersucht wird, muss vorher ausdrücklich und schriftlich zustimmen. Für minderjährige Kinder entscheidet der gesetzliche Vertreter, bei gemeinsamem Sorgerecht in der Regel also beide Eltern.

  • Heimliche Tests sind verboten: Wer eine Abstammungsuntersuchung ohne diese Einwilligung machen lässt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Dafür droht ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro.

  • Anspruch auf Klärung: Nach § 1598a BGB können Vater, Mutter und Kind voneinander verlangen, in eine Abstammungsuntersuchung einzuwilligen. Verweigert jemand die Zustimmung, kann das Familiengericht sie ersetzen.

  • Privattest oder Gutachten fürs Gericht: Ein privater Test dient der persönlichen Klärung. Soll das Ergebnis vor Gericht oder bei einer Behörde gelten, braucht es ein gerichtsverwertbares Abstammungsgutachten. Dafür wird die Identität aller Beteiligten geprüft, und eine neutrale Person nimmt die Proben ab, etwa in einer Arztpraxis oder beim Gesundheitsamt.


Vaterschaftstest bei Zwillingen in Deutschland: Was rechtlich gilt

Fazit: Erst die Zwillingsart bestimmen, dann den passenden Test wählen


Gibt es bei Zwillingen Zweifel an der Abstammung, sollte man zuerst klären, ob sie eineiig oder zweieiig sind, und dann die passende DNA-Analyse wählen. Eineiige Zwillinge teilen dasselbe Erbgut und damit auch denselben Vater. Zweieiige Zwillinge können in seltenen Fällen von zwei verschiedenen Männern abstammen.


  • Vaterschaftstest: die klarste und zuverlässigste Antwort nach der Geburt, mit dem mutmaßlichen Vater und beiden Zwillingen.

  • Zwillingstest: zeigt, ob die Kinder eineiig oder zweieiig sind, und hilft bei der Wahl des nächsten Schritts.

  • Geschwistertest: eine Ergänzung, wenn kein direkter Vaterschaftstest möglich ist, am besten mit der DNA der Mutter.


In Deutschland ist ein Vaterschaftstest bei Zwillingen nur mit Einwilligung aller Beteiligten erlaubt, und zwar erst nach der Geburt.


Können eineiige Zwillinge verschiedene Väter haben?

Nein. Eineiige Zwillinge entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle und haben deshalb immer denselben biologischen Vater. Verschiedene Väter sind nur bei zweieiigen Zwillingen möglich.


Wie häufig haben Zwillinge verschiedene Väter?

Sehr selten. In einer großen Auswertung von Abstammungsgutachten lag der Anteil bei 2,4 %, allerdings nur bei zweieiigen Zwillingen, deren Vaterschaft ohnehin gerichtlich umstritten war. Auf alle Zwillingsgeburten lässt sich dieser Wert nicht übertragen.


Müssen beide Zwillinge am Vaterschaftstest teilnehmen?

Ja, das ist dringend zu empfehlen. Bei zweieiigen Zwillingen lässt das Ergebnis eines Kindes keinen sicheren Schluss auf das andere zu. Nur wenn feststeht, dass die Zwillinge eineiig sind, gilt das Ergebnis für beide.


Kann man einen Vaterschaftstest bei Zwillingen schon in der Schwangerschaft machen?

Nein. Bei einer Mehrlingsschwangerschaft vermischt sich die fetale DNA im Blut der Mutter, sodass keine verwertbare Analyse möglich ist. Außerdem erlaubt das Gendiagnostikgesetz vorgeburtliche Abstammungstests in Deutschland nur in eng begrenzten Ausnahmefällen.


Ist ein privater Vaterschaftstest in Deutschland erlaubt?

Ja, wenn alle Beteiligten schriftlich zugestimmt haben, bei Kindern ihre gesetzlichen Vertreter. Ein heimlicher Test ohne diese Einwilligung ist verboten. Dafür droht ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro.

 
 
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